Werden Geheimdienstler nicht erwachsen?

…ob Geheimdienstler nicht erwachsen werden müssen.

Neulich habe ich den Agententhriller „The Bourne Identity“ geschaut. Mir hat er als Agentenfilm gut gefallen. Aufgefallen ist mir jedoch, wie oft die Chefs des Geheimdienstes ihre Befehle ans Personal in ihren Abteilungen (ausgestattet mit enorm mächtiger Überwachungstechnik und jederzeit verfügbarer Manpower) mit „Ich will!!“ beginnen.

Hm, das erschien mir nicht so richtig erwachsen.

Erstens führte auch die überlegene zur Verfügung stehende Technik nicht immer zum Erfolg, obwohl die Herren geradezu wütend „Ich will!!“ ausgerufen hatten. Ich hatte folgendes Bild im Kopf: ein kleiner Junge wirft sich an der Supermarktkasse auf den Boden, trommelt mit den Fäusten und schreit „Ich will!!“

Für einen dreijährigen Jungen okay. Für einen 40-jährigen Geheimdienstler? Und um mal die Geheimdienstler in Ruhe zu lassen: für mich als erwachsenen Mann? Für uns als Erwachsene?

Zweitens – wichtiger – fand ich die Intention dahinter unangenehm. Die heißt ja soviel wie „Ich will das, weil ich’s kann!“ Ich habe folgendes Bild im Kopf: Wütender Teenager, der sich sicher ist, in einem bestimmten Punkt die Macht zu haben, um seine Vorstellungen durchzusetzen.

Für einen 14-jährigen Teenager nachvollziehbar, weil im Gehirn das limbische System (vereinfacht gesagt verantwortlich für die Emotionen) schneller wächst als der Frontallappen (vereinfacht gesagt verantwortlich für Reflektion, Planung etc.). (1) Für einen 40-jährigen Mann? Unheimlich, oder? Für uns Erwachsene, hier und da mit der eigenen Macht konfrontiert? Auch unheimlich, oder?

Das aufgeregte „Ich will, weil ich’s kann!“ (also das „Ich will!“, was sich über Alle und alles hinweg setzen will) kenne ich auch… und es fühlt sich oft nicht gut an. Entweder, um im obigen Bild zu bleiben, weil überlegene Technik doch nicht alles bestimmt oder weil es ein blöder Triumph ist, deren Ergebnisse letztlich negativ zu mir zurück kommt.

Nix gegen ein kraftvolles „Ich will!“ als Bestätigung, dass ich ein Ziel erreichen will, auch nichts gegen ein klares und angemessenes „Ich will!“ als Zielvorgabe für ein Team, im Wissen, dass auch Scheitern möglich ist und nicht alles (und Alle) so laufen müssen, wie ich mir das vorstelle. Aber ein aufgeregtes, geradezu schäumendes „Ich will!!“, was sich über Andere nur hinweg setzen will? Nein, warum denn.

Chutchonn! sagen die Westfalen (heißt soviel wie „Lasst es Euch gut gehen“)

 

(1) gut nachzulesen in: Myers, David G., (2014), Psychologie, S. 207, Heidelberg: Springer-Verlag