Sachlichkeit? – Ja, Sachlichkeit.

…wie es gelingen kann, von emotional geführten Diskussionen wieder zu einer sachlicheren Ebene zu finden.

Das ist die Motivation für mich, diesen Blog zu schreiben.

Ich habe Angst davor, dass in Diskussionen, in Gesprächen, im Austausch – sei es in der Gesellschaft oder in den persönlichen Beziehungen – Sachlichkeit und Ruhe unter Emotionen verloren gehen. Ich bin nervös, wenn hitzige Impulsivität sachlichen Austausch zudeckt oder verhindert.

Warum mache ich mir deswegen Sorgen?

Nun, ich erinnere mich an viele Situationen, wo überschäumende Emotionalität in Streits, in Diskussionen nicht hilfreich war, um besser miteinander auszukommen. Wenn es sachlich und ruhig zuging, konnte ich gut im Gespräch bleiben, konnte den anderen Standpunkt respektieren. Wenn es hitzig zuging, ein Wort das andere gab, gingen bald Vorwürfe hin und her, wurden nur noch eigene Positionen verteidigt, fühlte ich mich nur noch angegriffen und ging bei Gelegenheit selbst zum Angriff über, ein Austausch fand nur noch dadurch statt, dass Kränkungen ausgeteilt wurden.

Geholfen hat diese hitzige emotionale Atmosphäre nie, weder um voran zu kommen, noch um sich besser zu fühlen. Im Gegenteil: Übrig blieb ein „man kann nicht gut miteinander reden“… und so ließ man es halt besser sein, um sich Stress vom Hals zu halten. Das führte früher oder später entweder zu tiefer Enttäuschung und zum reinen Durchhalten oder zum Bruch – in der Partnerschaft, bei der Arbeit, in der Freizeit.

Übel. Falls ich mich nach einem emotionalen Ausbruch mal besser gefühlt habe, dann war das nur kurzzeitig. Und das war okay. Ziemlich bald kam ich dazu zurück, mich nicht schmollend, grimmig fühlen zu wollen. Macht auf Dauer einfach keinen Spaß. Und das ist der Punkt: Für einen Moment kann eine erhitzte Diskussion gut sein. Dampf ablassen! Pfschschschschsch… Ungünstig, ja richtig mies fühlt sich die Verhärtung in diesem Schmollen, in diesem Zorn, in diesem Grimm an. Erst recht, wenn diese Stimmung durch Emotionalität weiter aufgeladen wird. Da komme ich dann in die eigene Blase: nur ich war okay, nur ich bin okay. Es fühlt sich mies an, wenn nicht bald, dann aber mit Sicherheit, wenn das ein Dauerzustand wird.

Übel vor allem dann, wenn das zwischen Gruppen und ganzen Teilen der Gesellschaft so stattfindet, wie ich es zur Zeit wahrnehme. Der leider so früh verstorbene Blogger Johannes Korten hat in einem seiner letzten Blogbeiträge dazu aufgerufen, doch mal einen Moment inne zu halten, bevor wir zurück reden, dagegen reden. Ja, auch darum geht es: nicht sofort auf den ersten Impuls hin reden, klicken, gar handeln. Schaden ist schnell angerichtet, wieder gut gemacht ist er oft erst nach langer Zeit. Abreißen geht fix, aufbauen dauert.

Ich möchte gern mit dem Herz dabei sein in Streits, in Diskussionen – das möchte ich nicht missen.

Aber ich möchte nicht, dass meine Emotionen und Impulse (mit denen ich manipulieren kann und über die ich manipuliert werden kann) mich in Streits, in Diskussionen beherrschen.

Das ist mein Anliegen mit diesem Blog: mich und dich und Euch und Sie fragen, wie wir es damit halten wollen, wie wir uns fühlen wollen, wenn jemand nicht unserer Meinung ist. Social Media erlebe ich oft so, dass schnell geklickt ist: schnell ist ein Urteil gefällt, eine Beleidigung ausgeteilt, ein Vorwurf gemacht. Das Tempo in Medien wie Blogs,  facebook, twitter sorgt dafür. Es ist nicht mein Anliegen, so eilige, so gestresste Kommunikation anzuregen, daher existiert hier keine Kommentarfunktion, über die Ihr/Sie Euch/sich mit mir oder untereinander austauschen könnt/können. Ich wäre froh, wenn der Austausch mit den Menschen stattfindet, die um Sie, um Euch herum sind: persönlich, direkt.

In diesem Sinne hoffe ich, dass meine Beiträge manchmal inspirierend sein werden, inspirierend zum Innehalten und zum Austausch, bei dem wir ehrlich sprechen, einander zuhören und bei uns und beim Respekt bleiben.

Chutchonn! sagen die Westfalen (heißt soviel wie „Lasst es Euch gut gehen“)